vom 6. Mai 2015

 

Aus der Redaktion des Prignitzers

 

24 Jahre im Sand vergraben: : Ein Revolutionsführer am Haken

 

Günter Wehr hatte den ruhenden Lenin 2008 eher zufällig im Garten des Strausberger Heimatmuseums entdeckt. Dort lag die fast drei Meter hohe Statue seit Anfang der 1990er-Jahre

 

Günter Wehr stützt den Kopf des russischen Revolutionsführers wie den eines Neugeborenen. Für den Vorsitzenden der Trebuser IFA-Freunde ist das Abladen des knapp zwei Tonnen schweren Lenin-Denkmals der letzte kritische Moment des Tages. Am Morgen haben Günter Wehr und das Vereinsmitglieder Steffen Bose den Koloss im Strausberger Heimatmuseum abgeholt. Unterstützt werden sie vom Ortsverband Fürstenwalde des Technischen Hilfswerkes. „Für uns ist das eine Ausbildungsmaßnahme: Bewegen und Transportieren von Lasten“, sagt Gruppenführer Jürgen Nickel schmunzelnd.

 

Meine größte Sorge ist, dass der Kopf abbricht, denn Sandstein ist nicht besonders hart“, sagt Wehr während der Torso mit Gurtschlingen gesichert und an den Haken des Ladekrans gehängt wird. Wenige Minuten später schwebt er über der Ladefläche des Sieben-Tonners, der sonst bei Hochwasser-Einsätzen gebraucht wird, um das Mehrzweck-Arbeitsboot des THW zu ziehen und zu Wasser zu lassen.

 

Truppführer Michael Schwarzer steuert den Kran mit Hilfe einer Fernbedienung. Sanft schwenkt er Lenins Oberkörper nach links und lässt ihn dann, Zentimeter für Zentimeter, zu Boden sinken. Schnell schiebt Günter Wehr die hölzerne Palette zurecht, auf der sich der Revolutionsführer vorläufig niederlässt und noch ein Vierkantholz in den Nacken bekommt – zur Sicherheit.

 

Das Aufladen war schlimmer, weil wir zunächst nicht wussten in welchem Zustand sich der Sandstein befindet“, sagt Günter Wehr und fügt hinzu: „Letztendlich lief es besser als gedacht.“ Dass die Figur derzeit aus zwei Teilen besteht, liegt daran, dass der Betonkleber, der sie zusammengehalten hatte, offenbar porös geworden war. „Das kann problemlos repariert werden“, sagt Steffen Bose.